[Home] MAN Tour ] [ Nil ] Sudan ] Eritrea ] Äthiopien ] Mocambique ]

Ein Schiff wird kommen:
Die Ausreise von Ägypten in den Nordsudan trotz geschlossener Grenze

Wieder einmal war der Weg nach Schwarzafrika politisch versperrt.  Die Ägypter hatten den Fährbetrieb auf dem Asswanstausee in den Nordsudan eingestellt. Seit Kairo hatten wir deshalb unsere Fühler ausgestreckt, um Informationen zwecks Ausreise über'n Landweg zu bekommen. Wertvolle Tipp's wie "Fahrt nur bei Vollmond..." bis zu "...da ist amerikanisches Speergebiet!" trugen zur Entscheidung bei, daß wir, ca. 50 km westlich der Straße Richtung Abu Simbel, einfach 200 km nach Süden fahren würden um dann im Sudan, nach Osten schwenkend, den Nil zu erreichen. Typisch deutsches Sicherheitsdenken bewog uns in Asswan zwei Zelte zurückzulassen.

Zum 100. mal eingesandet im Grenzgebiet Ägypten - Sudan.
Im Juni 10 Tonnen ausbuddeln ist extrem cool
Die habens schon geschafft. Kamelschmuggler aus dem Sudan in Ägypten.
Kamelschmuggler im Grenzbebiet bei der Arbeit

Falls wir gefasst werden, könnten wir dann immer noch behaupten, "wir haben uns auf einer Off Road Tour in der Wüste verfahren". Das hatten wir 1992 in der Westsahara beim marokkanischen Militär auch geäußert. Da wir damals ein Mauritanienvisa im Pass hatten, waren wir besonders glaubwürdig. Doch diesmal hatten wir  das sagenhafte Glück, dass es erst gar kein Sudanvisa in Kairo gab.
Hochmotiviert und voller Zuversicht rollte der Truck 2.00 Uhr morgens aus der Asswan. Bei Sonnenaufgang waren wir ca. 50 km vor dem ersten Police Check und verließen, wie geplant, die Asphaltsraße nach Westen.
Nach 10 Meter war das Auto komplett eingesandet. Das Gewicht gepaart mit zu schwacher Motorleistung, sowie der Zwillingsbereifung steigerten den Abenteuerfaktor enorm.

Irgendwie fanden wir den Dreh, den Weichsandfeldern auszuweichen und die etwas dunkleren harten Stellen zu finden und fuhren so im zick zack Kurs unsere Route. Nach 4 Std. standen wir vor einen Graben. Haben die Ägypter wirklich einen 20 m tiefen und 200 m breiten Grenzgraben gebaut? Das Gefühl war das gleiche wie '92 am Grenzerdwall in der Westsahara. Uns blieb nichts anderes übrig, als entlang des Grabens nach Osten auszuweichen. Nachdem wir mehrere Gruppen Kinderarbeiter (barfuß mit Hämmern Steine zerkloppen!)  passiert hatten, fanden wir uns an der Haupstaße kurz vor dem Police Check wieder. Der war an einer Y-Kreuzung und sorgte dafür, daß niemand geradeaus die Straße in den Sudan benutzt und leiten den Verkehr nach Osten in Richtung Abu Simbel.

Ziemlich dicht am Ufer. Nach zwei Tage war die Rampe fertig. Jetzt muß nur noch das Schiff wieder flott kommen.
Roll on Roll off im Sudan mit selbstgebauter Rampe
Hoffentlich laufen wir auf keine der vielen Sandbänke auf!
Die maßgeschneiderte Fähre

10 km nachdem wir den Police Check hinter uns gelassen hatten (Richtung Abu Simbel) bogen wir wieder nach Westen ab. Diesmalmit dem Ziel, auf die gesperrte Straße zu treffen. Zur Tarnung verpackten wir den Koffer des Trucks mit unserem Vorzelt (einer großen Militärplane) und wickelten uns Tücher um den Kopf. Um Zeit zu sparen, wollten die Militärstraße (Asphalt) benutzen. Kurz vor der Grenze ist auf der Michelinkarte westlich der Militärstraße ein ca. 400 m hoher Tafelberg verzeichnet. Noch davor (km-Stein 38 am östl. Straßenrand) bogen wir abermals nach Westen ab und kamen wieder zu unserem ursprünglichen Plan zurück. Die Gegend war hügelig und es gab viele spitze Steine unterm Sand.
Im Sudan: Als wir abends den Nil erreicht hatten, kam nach den zwei hinteren Platten (je links und rechts einer der Zwillinge) der dritte Platte dazu. Bei der Reparatur fanden uns ein paar Nubier,   griffen sich die Montiereisen  und nahmen uns die Arbeit ab.

Es waren Arbeiter aus Wadi Halfa, der Stadt auf der anderen Seite des Nils (East Bank), die nun hier am Westufer die Stadt erweitern (West Bank). Für den Transport der Baustoffe benutzen sie ein Schiff, welches wir als Fähre nutzen wollten.. Nach 2 Tagen war eine Rampe fertiggebaut. Als wir endlich drauf waren, saß die ganze Fuhre auf Grund. Schätzungsweise 1/2 Fass Diesel mußte schon daran glauben, bis der Kahn wieder flott kam.

FAZIT:
Zwillingsreifen haben im Sand große Nachteile. Vorteile sind, daß man bei einem Platten nicht sofort anhalten muß und daß bei Schlaglöchern das "Breite Rad" besser überbrücken kann.

Nur die Michelinkarte mit Kompass und Tacho ist bei diesen "Straßenverhältnissen" doch ein bißchen wenig.

Von West Bank Nach East Bank. Das ursprüngliche Wadi Halfa ist auf dem Grund das Asswanstausees.
Die maßgeschneiderte Fähre

REISELEKTÜRE:
tag-leben.gif (8714 Byte)
Wieder ein Tag im Leben - Innenansichten eines Bürgerkriegs von Ryszard Kapuscinski   

[Home] MAN Tour ] [ Nil ] Sudan ] Eritrea ] Äthiopien ] Mocambique ]

© VOLLO 2000